openmjnd rockt die Hütte

Unsere Mitmieter der Base1, openmjnd, haben vor einiger Zeit richtig viel Action in unseren Workshopspace getragen. Sie haben beim Global Government Jam 2017 mitgemacht und dafür eine ganze Ladung an Interessierten eingeladen, für drei Tage die Köpfe zusammen zustecken und Prototypen für eine zentral vorgegebene Aufgabenstellung zu entwickeln. Die Methode? Design Thinking. Dafür sind openmjnd Spezialisten. Sie vermitteln Methoden und beraten Organisationen auch inhaltlich. Im Rahmen des GovJams ging es ihnen darum ihr methodisches Know-How für ein gesellschatlich relevantes Thema zur Verfügung zu stellen. Wie Design Thinking im Detail funktioniert, könnt ihr auch in unserer TheDive School lernen. Der nächste Workshop findet im September 2017 statt.

Mit den beiden Innovationsberater Edouard Barthen und Astrid Möller von openmjnd habe ich über den Jam gesprochen, den sie in der Base1 organisiert und begleitet haben.
 
TheDive
Wie seid ihr dazu kommen beim Global Government Jam mitzumachen?

Edouard
Wir kannten das Format: Service Design Jam, bei dem dann für kurze Zeit verschiedene wildfremde Menschen zusammen kommen, um die Welt zu retten bzw. eine coole Lösung zu entwickeln und dabei eine gute Zeit zu haben. Außerdem können wir unsere Design Thinking Methoden und unser Know how für einen Bereich verwenden, für den sie super Sinn machen. Der Verwaltungsbereich, der politische Bereich, der soziale Bereich, das sind alles Bereiche, wo Nutzerzentrierung Sinn macht und viel zu selten in der bestehenden Welt zum Tragen kommt. Das ist also ein doppelter Grund: Einerseits können wir Lösungen für diesen Bereich entwickeln und andererseits natürlich die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass es da sehr sinnvolle Methoden gibt.

TheDive
Ihr habt beide schon Erfahrungen mit solchen Jams gemacht. Was begeistert dich daran, Astrid?

Astrid
Ich hab schon in meinem Studium an der Köln International School of Design solche Service Jams mitgemacht und finde es super, dass auch Menschen dabei sind, die sonst keine Berührungspunkte mit den Methoden haben. Die Unternehmen, mit denen wir bei openmjnd vor allem arbeiten, kennen die Methoden zumindest vom Hörensagen. Beim Jam ist es nicht die Suche nach der Methode, die uns zusammen bringt, sondern das gemeinsame Interesse, Lösungen für die genannten Bereiche zu finden. Es sind letztlich 15 Leute da gewesen, darunter Leute aus dem öffentlichen Sektor, von Stiftungen, die beispielsweise Bürgerinitiativen fördern. Denen geht es in dem Fall darum, leerstehende Immobilien wie ein Schwimmbad umzugestalten. Dann waren noch Mitarbeiter der Senatsverwaltung dabei, Leute aus dem pädagogischen Bereich aber auch Designer waren dabei, und Wissenschaftler.

Edouard
Außerdem noch Mitarbeiter einer NGO aus München, Studenten und eine Architektin. Die Unternehmen, mit denen wir im Alltag arbeiten, kennen die Methoden und haben schon mal davon gehört. Viele der GovJam-Teilnehmer kannten die Methode gar nicht und das ist natürlich besonders schön, dann zu sehen, wie gut Innovation mit Design Thinking vorangetrieben werden kann. Im Falle des GovJams auch noch gezielt für einen guten Zweck.

TheDive
Die Challenge war dieses Jahr sehr offen. Man kann vielleicht zusammenfassen, dass man einfach nur Vogelgeräusche gehört hat und dann ein vorbeifahrendes Auto. Wie ging es euch damit?

Edouard
Einerseits haben wir gedacht: Oh shit! Und dann aber auch: Hätte ja noch schlimmer kommen können. Aber aus den zwei Elementen konnte man natürlich trotzdem was machen. Es gab auch einige, die sich über die Interpretationsmöglichkeiten gefreut haben.

Astrid
Den Designern hat es auf jeden Fall gut gefallen.

Edouard
Es kam aber auch als Feedback, dass sich einige eine klarere soziale Challenge gewünscht. So sind wir stark in eine „first world problem“ Richtung gekommen. Aber Lärm in der Stadt und die Umweltproblematik sind natürlich trotzdem gut greifbar.

Astrid
Es geht bei den Jams auch darum auf die Straße zu gehen und dort herauszufinden, was brauchen die Nutzer? Dafür ist eine so offene Challenge wiederum dankbar. International gesehen ist es natürlich auch echt schwer eine Challenge zu finden, die für alle Länder funktioniert. Nach dem ersten Schock war es also eine gute Challenge.

TheDive
Wie seid ihr dann vorgegangen, nachdem die Challenge klar war?

Astrid
Am ersten Tag haben wir in der „Understanding Phase“ uns auf ein gemeinsames Verständnis gebracht. Jedes Team hat sich eine eigene Challenge gesetzt, je nachdem wie sie das Geräusch interpretiert hat und Background Wissen gesammelt. Darauf aufbauend haben sie sich eine Zielgruppe definiert, um dann Interviews auf der Straße zu führen. Nach der Auswertung haben sie Problemfelder bestimmt, um die Bedürfnisse der Nutzer zu formulieren und dann Ideen entwickelt. Am zweiten Tag wurden die ersten Prototypen auf der Straße getestet. Dabei sind einige Teams ziemlich erfolglos gewesen, was aber zum Lernen dazu gehört und gut ist, um zu verstehen, dass es immer wieder darum geht, Ideen zu testen und im Austausch mit dem Nutzer zu stehen. So sind letztlich beachtliche Prototypen entstanden, die am Abschlussabend präsentiert wurden.

 Insgesamt sind drei Prototypen entstanden. Nummer 1:

TheDive
Habt ihr ein Bespiel für einen Vorläufer Prototypen, der nicht funktioniert hat?

Edouard
Einer der Prototypen war ein Kasten, der an einer Ampel an der Straße aufgehängt wurde und wo Leute sich Zettel rausziehen konnten. Auf den Zetteln waren Tipps notiert, die je nach Zeitbudget von einer Minute bis eine halbe Stunde reichten, was sie in der Umgebung machen können, um sich eine Auszeit zu gönnen. Dieser Kasten wurde von niemandem betätigt, was das Team auch aus der Ferne beobachtet hat. Nur ein Typ hat sich diesen Kassen ein bisschen genauer angeschaut und ist dann weitergegangen. Das frustriert natürlich aber daraus ist dann letztlich ein Riesenteleskop entstanden, weil klar geworden ist, dass es etwas braucht, was die Leute mehr an die Hand nimmt und Lust macht, sich damit zu beschäftigen.

Nummer 2 – das Riesenteleskop

Und last but not least Protoyp Nummer 3:

TheDive
Wie war es für euch?

Astrid
Ich bin begeistert von dieser Art von Zusammenarbeit – letztlich geht es vor allem darum, den Prozess mitzumachen und die Diskussion anzustoßen, sie mit dem Thema auseinander zu setzen. Bin ich gestresst? Wie geht es mir mit dem Lärm in der Stadt? Ich finde das super, weil die Menschen auf jeden Fall danach bewußter durch die Stadt gehen. Von der Methode waren alle begeistert, weil es Spaß macht und beeindruckt so punktgenau komplexe Ideen zu entwickeln und sich zu fokussieren.

Edouard
Und der Kontakt zu Nutzern. Das erleben wir bei allen Workshops, dass die Teilnehmer fasziniert davon sind, mit Menschen zu reden. Zu fragen, was ihre Bedürfnisse sind, was ihre Probleme sind und ihnen dann am Ende Lösungen anzubieten. Und auch da wieder zu sehen, wie reagieren die darauf? Das Gespräch, das geführt wird, ist super wertvoll.

Astrid
Auch die eigenen Annahmen zu hinterfragen, macht man zu selten. Der Prozess die Methoden zu erleben ist aber mindestens gleichbedeutend mit den Ergebnissen.

Edouard
Die Stimmung war auch richtig gut. Alle Teams haben ihre Prototypen begeistert präsentiert, hatten Spaß und haben die Grenzen ihrer Disziplin überwunden. Am ersten Tag standen alle noch ein bisschen steif nebeneinander und haben sich zögerlich vorgestellt. Nach zweieinhalb Tagen sind die einzelnen Gruppen richtige Teams geworden. Du springst für den anderen ein, löst gemeinsam die Probleme und das ist sehr cool zu sehen.

TheDive
Ihr habt natürlich auch einen sehr schönen Rahmen geboten. Das haben wir hier beobachten können. Der Frühstückstisch war einladend, die Atmosphäre geschäftig, überall war Material ausgebreitet und wurde verarbeitet. Es hat richtig Lust gemacht, auch einzusteigen. Ich meine auch gehört zu haben, dass ihr noch andere Übungen gemacht habt, außer Design Thinking?!

Astrid
Warm-Ups sind immer gut, um bespielsweise nach dem Mittagsessen wieder in Schwung zu kommen.

Edouard
Wir haben beispielsweise „danish clapping“ gemacht. Das ist eine Partnerübung, in der man nicht synchron in verschiedene Richtungen – nach oben, unten, rechts oder links klatscht. Wenn man doch synchron in die gleiche Richtung klatscht, muss man in der Mitte abklatschen. Einerseits geht es um Koordination und es macht natürlich auch Spaß.
Dann haben wir noch japanisches Knobeln gemacht. Das ist von der Logik her wie Schnischnackschnuck, nur dass du mit der Figur nicht alleine in den Ring steigst, sondern dich in der Gruppe auf eine Figur einigen musst, die dann alle machen. Und die Figuren sind natürlich andere: Der Samurai, der Tiger und die Oma. Dazu gibt es jeweils eine Geste und einen Sound. Der Tiger frisst die Oma, die Oma gewinnt gegen den Samurai und der Samurai killt den Tiger.

TheDive
Die würde ich jetzt am liebsten auch mit euch machen. Als Abschluss. Herzlichen Dank!!

UND DANN?
Am Abschlussabend gab es noch drei Vorträge:

Svenja Bickert-Appleby vom Future Flux hat zwei Jahre für futuregov in UK gearbeitet und über ihre dortigen Erfahrungen im Public Services Innovation Bereich gesprochen.

Héloise le Masne von Civocracy, hat über den Aufbau einer Web-Lösung für partizipative Politikgestaltung gesprochen.

Bianca Herlo vom UdK Design Research Lab über partizipativen Prozessen in der Stadt- und Politikgestaltung.

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