Samen pflanzen für die „Teal-Dörfer“ der Zukunft

„Stell Dir vor, Du ziehst an einen Ort an dem Du im Einklang mit Deinen Werten leben kannst, in tiefer Verbundenheit mit dem Land und den Menschen, die Dich umgeben und gleichzeitig gut angebunden ans Weltgeschehen. Wie wäre das, wenn Du daran mitwirken könntest, eine Umgebung zu gestalten, aufzubauen und zu nähren, die genau Deiner Art zu arbeiten und zu leben entspricht. Wie würde dieses Dorf mit Freunden, Familie und einer lokalen Gemeinschaft aussehen? Wie würdest Du leben wollen?“

 

So, frei übersetzt, beginnt der Artikel „Building Village 3.0“, der letztes Jahr im September von den Initiatoren des Village 3.0 Movements veröffentlicht wurde. Im Kern geht es darum, Erfahrungen und Wissen auszutauschen und gemeinsam als Crowd neue Wege des Zusammenarbeitens und -lebens zu erkunden.

 

Co-Working war gestern, willkommen beim Co-Living

Die Idee ist nicht neu, doch der Erfahrungsschatz des Teams um Village 3.0, seine undogmatische Herangehensweise und die Verschränkung von aktuellen Themen wie ortsunabhängigem Arbeiten und Co-Creation, nachhaltiger Landwirtschaft, Lebenskultur und -qualität, Altersvorsorge und Neuem Arbeiten, entfaltet eine bemerkenswerte Inspirationskraft.

Das Projekt ist noch im Aufbau, da es von den Initiatoren nebenbei als Herzensprojekt vorangetrieben wird. Einzelne Treffen um das Thema haben in ein paar Städten schon stattgefunden und im Herbst 2017 soll es eine erste große Konferenz in Portugal geben. Im Dezember war Victor Vorski für ein paar Tage in Berlin und im Gespräch mit ihm eine Woche vorher kam die Idee auf, gemeinsam ein kleines informelles Treffen rund um das Thema Village 3.0 auch für Berlin aus dem Hut zu zaubern.

Gesagt, getan. Am 11. Dezember 2016 kamen mehr als 30 Menschen zusammen, um sich zu dem Thema auszutauschen. Im Kreativraum des Drumherum e.V. im Schillerkiez begann der Abend mit drei Runden Austausch zu den Fragen „Welche Fragen haben Dich hergeführt?“, „Warum möchtest Du eine Village 3.0 mitgestalten? Warum interessiert Dich das Thema?“ und „Wie sieht das Village 3.0 aus, in dem Du leben möchtest?“. Durch die Diversität der Anwesenden war der Austausch äußerst fruchtbar, systemüberzeugte Vertreter der vereinten Nationen waren genauso mit von der Partie wie Menschen, die seit zwei Jahren nomadisch von Ökodorf zu Ökodorf gezogen waren, um Systemalternativen zu erkunden.

 

Foto: Vincent Lauenstein
Foto: Vincent Lauenstein

 

Gemeinsam Systemalternativen erkunden

Nach dem Austausch in der großen Runde gab es zwei Breakouts, eines zum Austausch zu den Grundbausteinen, die das Village 3.0 Movement vorschlägt (siehe Grafik) und eines zu den bereits vorhandenen Initiativen in Berlin mit Blick auf Vernetzung, Austausch und gegenseitige Unterstützung im Sinne eines Village 3.0.

Um dem Ganzen vor Fertigstellung der village.builders Online-Plattform auch einen virtuellen Raum für Berlin zu geben, gibt es seit Dezember eine Facebook-Gruppe für Vernetzung und Austausch. Anwesend waren neben begeisterten Privatpersonen unter anderem die Initiativen ecobasa (Gift economy zwischen Lebensgemeinschaften),  d.collective (Projekt-Hub für positive Veränderung), Lucid Dance (Conscious Dance Kollektiv) sowie Open State (Reallabor für ökonomische, soziale und ökologische Alternativen).

 

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Grafik: village.builders

 

Gefühl von Aufbruch

Die meisten Menschen auf dem Village 3.0 Treffen waren angetrieben von der Erkenntnis, dass die Formen des Zusammenlebens und -arbeitens, die in unserer Gesellschaft vorherrschen, nicht mehr den grundlegenden Bedürfnissen des Menschen dienen. Es ist ein Gefühl von Aufbruch, das die Menschen zusammen bringt, um in dieser Phase des Übergangs gemeinsam Fragen zu stellen. Und auch wenn es zu diesem Zeitpunkt der Fragen viele gibt, sind es genau diese, die es im nächsten Schritt ermöglichen Alternativen zu erträumen und in die Welt zu bringen.

Wir sind dankbar, Teil dieser Bewegung zu sein.