Unmögliche Fragen

All das, was im Arbeitsalltag unter den Tisch fällt, findet Anfang März in der Innovationswerkstatt ART HAPPENS Platz: Mit Zeit, spielerischen und kreativen Methoden bereitet die interdisziplinäre Gruppe Artistic Intelligence den Raum, persönliche oder professionelle Fragen zu stellen, um ihnen dann eine Gestalt zu geben. Wer Fehler macht, ist auf dem richtigen Weg. Alles, was wir brauchen, ist der Mut, uns auf das Ungewisse einzulassen. Es kann darum gehen, sich persönlich weiterzuentwickeln, vielleicht Konflikte zu lösen oder eine professionelle Strategie zu entwickeln. Welche Überraschungen am 2. März auf uns warten und was das mit Robotern zu tun hat, erzählen Susanne Schirdewahn, Romas Stukenberg, Gunter Wehmeyer und Karoline Rütter im Interview mit TheDive.

TheDive: Was bedeutet es, wenn in einer Werkstatt ‚Kunst passiert‘? Was erwartet die Teilnehmer*innen von ART HAPPENS Anfang März?

Susanne Schirdewahn: Wir bieten eine Mischung aus Inszenierung und Improvisation an. Ich bin davon überzeugt, dass zum kreativen Akt drei wichtige Faktoren gehören: Zum einen, dass man weiß, wer man selber ist, dann, mit welcher Verfassung man an dem speziellen Tag vor Ort ist und zuletzt das Unerwartete.

Beim Eintritt in das Atelier haben wir ein paar Überraschungen auf Lager, die wir professionelle Interventionen nennen, so dass die Teilnehmer*innen sich in einem kreativen Dialog wiederfinden. Wir werden alle Teilnehmer*innen individuell betreuen, auf die jeweiligen Fragestellung eingehen und auch auf die eigenen Ansätze, die die Teilnehmer*innen gerade interessieren.

Wir schaffen also eine gute Art der Visualisierung. Ungewissheiten, Ängste, Emotionen aufzugreifen und mit Kunst Haltung und damit auch Halt zu schaffen. (Susanne Schirdewahn)

Es geht darum, vor allem selbst auszuprobieren, verschiedene Techniken zu testen, sei es zu zeichnen, malen, bauen oder modellieren. Alles Material steht vor Ort im Atelier zur Verfügung. Mit unseren vielseitigen Kompetenzen begleiten wir, motivieren, analysieren, sprechen Strategien an und wollen vor allem den kreativen Prozess der Teilnehmer*innen unterstützen.

Welche Fragestellungen können die Teilnehmer*innen auf der ART HAPPENS Reise mit euch behandeln?

Susanne Schirdewahn: In der Base1 von TheDive wird es im ersten Teil des Tages genau darum gehen, herauszufinden, was ist überhaupt die Frage, mit der jede*r einzelne Teilnehmer*in da ist? Woher kommt man, was wünscht man sich und natürlich auch, welche Erwartungen bringt man mit. Dazu werden wir dann u.a. Wahrnehmungsübungen anbieten, weil wir wollen, dass der Tag spielerisch ist und Lust macht, nicht nur über den Tellerrand zu gucken, sondern auch herüber zu springen.

Romas Stukenberg: Die Idee kommt aus der Erfahrung, die wir als Dienstleister und Berater in unserem Arbeitsalltag machen. Ganz oft gibt es bei unseren Kunden, bei Unternehmen Fragen oder Gedanken, die keinen Raum finden. Wir glauben, dass der künstlerische Raum, den wir bei ART HAPPENS bieten, die Fragen ermöglicht, die sonst zu unhandlich oder vielleicht sogar unmöglich sind. Wir wollen uns gemeinsam mit den Teilnehmer*innen den Randzonen annähern.

Konkret kann das die Frage nach dem Warum sein. Welche Rolle nehmen wir in der Welt ein? Was für ein Wert entsteht für andere Menschen, für das Umfeld, was ist die Poesie darin und vielleicht sogar das Transzendente? Auch wenn diese Fragen ungreifbar erscheinen, werden wir an dem Tag nicht verloren gehen. Es wird vielleicht mal pieksen. Uns ist aber auch der Transit zurück ganz wichtig. Wir wollen das, was passiert, auch verarbeitbar machen. Das Unbewusste anzapfen, produktiv irritieren und dann auch wieder zurückfinden, was Lösungen und Antworten sein können.

Die Debatte um die künstliche Intelligenz hat viel mit Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten zu tun. Unsere Annahme ist, dass wir unsere eigene Intelligenz oft noch gar nicht ausgeschöpft haben. Da wollen wir hin. (Romas Stukenberg)

Gunter Wehmeyer: Die Herangehensweise im Alltag ist ganz oft von vornherein ergebnisorientiert. Es muss beispielsweise durch den Design Thinking Prozess ein bestimmtes Produkt entwickelt und getestet werden. In der künstlerischen Praxis ist meistens gar nicht klar, was das Ergebnis sein wird. Es wird erst einmal angefangen und es wird auch einen Endpunkt geben, aber das Unerwartete und Ungewisse spielt die Hauptrolle.

Ihr habt zum Teil natürlich jahrelange Erfahrung in dieser Herangehensweise. Wie ist das für Teilnehmer*innen, die unter Umständen noch nie künstlerisch gearbeitet haben?

Susanne Schirdewahn: Kunst hat etwas mit Mut zu tun und diesen Mut kann man für alles andere nutzen. Es geht nicht darum wie Rembrandt zu malen oder etwas zu erschaffen, was dann in die Kunstgalerie gehängt wird. Die Befriedigung liegt darin, etwas zu verkörpern, was zuvor nur vage erschien. Wir schaffen also eine gute Art der Visualisierung. Ungewissheiten, Ängste, Emotionen aufzugreifen und mit Kunst Haltung und damit auch Halt zu schaffen.

Karoline Rütter: Meine Erfahrung ist, dass die Klärung der Fragestellung oft zu kurz kommt. Oft wird ganz schnell ein Plan gemacht. Es lohnt sich die Fragestellung näher in den Blick zu nehmen, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Vielleicht stellt man dann fest, dass es noch eine Frage hinter der Frage gibt oder sie verändert sich nochmal, bevor man losläuft, um eine Lösung zu finden. Natürlich verändert sich auch viel, wenn man nicht über PowerPoint-Präsentationen, eine SWOT-Analysen und Pro’s und Contra’s über die Fragen und Lösungen spricht, sondern sich über einen künstlerischen Ausdruck, über Bilder oder Collagen verständigt.

Mit eurem Namen Artistic Intelligence oder kurz AI ruft ihr natürlich direkt die Assoziation zur künstlichen Intelligenz, der „Artificial Intelligence“ auf. Warum?

Romas Stukenberg: Die Debatte um die künstliche Intelligenz hat viel mit Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten zu tun. Unsere Annahme ist, dass wir unsere eigene Intelligenz oft noch gar nicht ausgeschöpft haben. Da wollen wir hin: Unsere verfügbaren Möglichkeiten wirklich ganzheitlich aktivieren. Das künstlerische Denken, das intuitive Denken, das unterbewusste Denken und die Erfahrung von Selbstführung sehen wir in der Kunst verwirklicht, wie in kaum einem anderen Feld.

In dem Moment, in dem ich Teil eines Unternehmens werde, schließe ich mich einer Idee an. Ich werde Teil einer Gruppe, einer Gemeinschaft und suche den Anschluss. Wenn ich mich aufmache, künstlerisch aktiv zu werden, dann muss ich mich mit meinen einigen Fragen beschäftigen. Ich muss tief in mir selbst nach dem suchen, was mich berührt.

Habt ihr ein Beispiel für eine Übung, damit Teilnehmer*innen erahnen können, worauf sie sich da einlassen?

Romas Stukenberg: Wir haben natürlich unterschiedliches beizusteuern. Ich lasse beispielsweise immer gerne Kunden zeichnen, um ein Problem einzukreisen. Das ist ein fantastischer Prozess, der immer überraschende Resultate erzeugt und immer nach dem gleichen Muster abläuft: Erst Skepsis, dann Unwillen, dann ein sich drauf einlassen, ein Überraschungsmoment und schließlich ist Wert geschaffen. Das sind in Kundenworkshops aber nur kurze Fragmente und auch die Räume, in denen die Beratung stattfindet sind sehr limitiert. Mit ART HAPPENS im Atelier zu sein, ermöglicht einen anderen Bewegungsspielraum, um tiefer zu gehen.

Karoline Rütter: Anders als beim Design Thinking wird bei ART HAPPENS Zeit eine andere Rolle spielen. Es wird nicht darum gehen, möglichst schnell ein Ergebnis zu produzieren. Wir wollen uns lieber noch eine Runde mehr geben, um tiefer zu tauchen. Langfristig bieten wir daher auch an, Beratungsprozesse zu gestalten, die über solche Workshops hinausgehen. ART HAPPENS Anfang März ist also ein Auftakt und eine Chance, die Methode kennenzulernen und zu testen. Wir verzahnen mit unserem künstlerischen Ansatz Beratungsprozesse, Organisations- und Teamentwicklung und Innovationsprozesse, um damit Mehrwert zu bieten.

4 Gedanken zu “Unmögliche Fragen

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.