Vom Zauber der Raumgestaltung

Wir danken Katleen Schneider für diesen Gastbeitrag! Sie hat im Rahmen ihrer Masterarbeit ein Interview zur Raumgestaltung unserer Base1 und Base7 mit unserem Kollegen Daniel Ringwald geführt. Das Thema ihrer Arbeit ist: „Strategic decision-making of workplace design within entrepreneurial structures:
 A comparative analysis of innovative workspace“. Sie studiert International Business and Consulting an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin

 

Den Raum als „Körpersprache“ eines Unternehmens verstehen

Die Auseinandersetzung mit dem physischen Arbeitsplatz gewinnt immer mehr an Bedeutung in der Unternehmensführung und Innovationsforschung. Denn der Raum wird nicht nur als „Körpersprache“ eines Unternehmens gehandhabt, sondern spiegelt sich auch in kreativen Prozessen und somit Innovationen wieder. Die Steuerung des Arbeitsplatzes aus einer strategischen Perspektive gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit, denn durchschnittlich ist die Büromiete der zweithöchste Kostenpunkt eines Unternehmens. Gleichzeitig ringen Unternehmen nach Erneuerungen, Innovationen und Kreativität. Das alles kann der Raum vereinen – und auch beeinflussen.

Die Macht der Raumgestaltung begleitet mich seit meiner Masterarbeit und so kam es, dass ich Daniel Ringwald in der Base1 für ein Interview besucht habe. Neben TheDive, hatte ich auch die Möglichkeit bei INNOKI und einhorn für diese Thematik reinzuschauen. Ziel war es herauszufinden, was einen innovativen Arbeitsplatz ausmacht und wie gerade junge Unternehmen, deren Ressourcen begrenzt sind, ihre kreative Ideen und Innovationen durch die Gestaltung des Raumes beeinflussen können.

 

Das kreative Potenzial der Gruppe ausschöpfen

Neben der räumliche Integrierung von Unternehmensprozessen geht es auch um die Stimulation der Kreativität im physischen Arbeitsbereich. Daniel beschreibt sich selbst als „Raumberater und Prozessbegleiter“ für die Gestaltung des Arbeitsplatzes in Unternehmen. Beim Betreten der Basehabe ich gleich ein Gefühl von Freiraum und Abwechslung verspürt. Man merkt, dass es hier vor allem darum ging, etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen. Und so ist die Base1 als iterativer Prozess entstanden, der nicht top-down, sondern mit der kollektiven Intelligenz der Gruppe gewachsen ist. Genau das rät Daniel auch anderen Unternehmen: sich vom kreativen Potenzial der gesamten Gruppe mitreißen zu lassen. Bei einer co-kreativen Raumgestaltung werden alle Bedürfnisse und Wünsche erfasst, aber auch die Ängste und „pain points“. Auf dieser Grundlage können dann Entscheidungen für den Raum getroffen werden: was steht zuerst an, was ist am wichtigsten für die aktuelle Gestaltung. Klingt simpel, ist es auch. Also ran an die Wunschliste für eure vier Office-Wände.

Doch Achtung, die Wunderlampe, die all diese Wünsche erfüllt, wurde noch nicht erfunden. Ein internes Gewächshaus (für die Base1), eine eigene Bibliothek für Konzentrationsfüchse (als Beispiel für einhorn) oder gar ein Gemeinschaftsraum für Mittagspausen (wie im Falle von INNOKI) kann leicht das Budget sprengen. Oder der aktuelle Platz lässt es einfach nicht zu.  Meist kann nicht alles kann sofort erfüllt werden, eben aus Platzmangel, Zeitgründen oder aufgrund finanzieller Grenzen.

So wird gerade die Raumgestaltung bei jungen Unternehmen als iterativer Prozess verstanden. Nichts ist vollendet und alles bedient sich der Veränderung. Denn der Raum folgt dem Wandel eines jungen Unternehmens und somit auch dessen Ansprüchen an den Arbeitsplatz. Die limitierten Ressourcen müssen erst einmal akzeptiert werden, jedoch ist das Erfassen aller Wünsche ein wichtiger Schritt, um alle Bedürfnisse wahrzunehmen. Aha, Arbeitsplatzgestaltung passiert also im besten Fall, wenn das schlagende Herz eines Unternehmens definiert wird.

Daniel rät den jungen Unternehmen daher vor allem zuerst auf die eigenen Prozesse zu schauen: Was braucht das Unternehmen um sich zu organisieren? Erst dann kann der Raum optimal eingerichtet werden. Auch hat sich prinzipiell der Arbeitsraum von einem einfachen Schreibtisch hin zu mehr Austauschmöglichkeiten entwickelt. Es sollen nicht nur Arbeitsprozesse begleitet werden, sondern auch Raum für Kommunikation und Austausch gegeben werden. Gleichzeitig bedienen verschiedene Zonen unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten. Denken wir dabei nur an konzentrierte Individualarbeit oder dynamische Gruppenprozesse, in denen es laut und dreckig wird.

Es geht darum Angebote zu schaffen, die das ermöglichen, was in uns schlummert“, so Daniel.

Und da kommen wir auch zu einem weiteren wichtigen Prinzip für Innovationsgenerierung (ui, was für ein Wort) am Arbeitsplatz: Freiraum. Eine Aura, eine gewisse Atmosphäre schaffen, in der wir uns wohlfühlen und auch unsere Kreativität ausleben können – darin steckt der Zauber der Raumgestaltung. Doch die Vorgehensweise ist dabei so individuell, wie eben die Person selbst. Daher ist es so wichtig, die unterschiedlichen Geschmäcker und Prozesse für sich und die Gruppe zu kennen oder kennen zu lernen. Eine stille Box genauso wie ein Waldspaziergang oder auch wildes Herumexperimentieren kann DIE Lösung für neue Ideen für den Einzelnen oder die Gruppendynamik sein.

 

Transformationsobjekte schaffen Irritation und Stimulation

Gezielt kann die Kreativität auch durch sogenannte Transformationsobjekte stimuliert werden. Das sind Gegenstände, die aus ihrer ursprünglichen Nutzungsform herausgelöst werden und mit neuen Eigenschaften belegt werden. Zum Beispiel wurde aus einem Landschaftsvermesser ein Tisch gebaut. Oder aus einem Stahlpapierkorb und einem Infusionsständer eine Stehlampe mit LED Streifen gewerkelt. Das klingt irritierend, ja bitte, soll es auch sein. Denn beim Betrachten werden zum einen Erinnerungen an ganz unterschiedliche Situationen erzeugt, gleichzeitig regt es zum Nachdenken an. Die Gruppe kommt in einen Redeschwung, allein bei der Betrachtung und Diskussion über solche Gegenstände. Transformationsobjekte schaffen eine eigene Dynamik im Raum.

Und jetzt seid ihr dran: mit ein wenig Eigeninitiative könnt auch ihr in eurem Unternehmen die Kreativität durch das Projekt „unser Transformationsobjekt“ herauskitzeln. Ihr beschäftigt euch mit dem Raum und einem fremden Objekt, arbeitet gemeinsam an einer Sache und lernt euch besser kennen. Und am Ende habt ihr etwas für euren Arbeitsplatz erschaffen, das im besten Fall Ausgangspunkt für viele weitere kreative Ideen wird.